Geschichte 1999

Januar
Rund 1000 Menschen besuchen uns - meistens Fremde - wir gewinnen neue Freunde und müssen für die Bielefelder Vorstellungen endlich ein größeres Zelt haben, denn viele Besucher berichten, daß sie keine Karten bekommen hätten. UBUNTU steht wieder einmal im Wort. Wie machen wir es nur? Das war vor genau fünf Jahren auch die Frage ... . Der Tag der offenen Tür hinterlässt seine Spuren: wir müssen gut aufräumen und haben viele neue Freunde und viele Anfragen: Kinder, Jugendliche und Erwachsene wollen mitfahren - manchmal auch mitarbeiten. Die Schilderung des hohen ehrenamtlichen Eisatzes schrecken manchen doch ab. Wir müssen lernen, in dieser Beziehung noch härter und konsequenter zu werden.

März
Der Wagenbau kommt gut voran; wir beschränken uns auf drei, die wir komplett neu machen. Die Abteile haben 12,3 qm, darauf sollen 12 Mitarbeiter wohnen und schlafen, ihre Sachen unterbringen und sich auch noch wohlfühlen. Viele Zeichnungen werden gemacht und gehen hin und her, werden angeschaut und zerknüllt. Der Manegenboden muß erneuert werden, der alte ist nicht mehr zu pflegen. Lange Gespräche drehen sich um die Frage ob unsere Musik über eine Verstärkeranlage gehen soll. Was gut klingt, hat eine hohe Leistung und ist sehr teuer. Kontakte aus alten Zeiten (als der Chief noch Festivals organisierte) ermöglichen eine hochwertige PA- Anlage. Kosten: 5000,-

Mai
Der Manegenboden wird geliefert und nach den alten Teilen zugeschnitten - wie sollen wir ihn schützen? Bio, normal, Gift? Es gibt eine neue Zugmaschine: Eine Magirus! Leider steht schon Iveco drauf und Robert stöhnt: "Eine Schande für den Zirkus! Den fahr ich nie!"
Der WDR will eine Reportage über uns drehen: Ein Tag Präsenz für ca 12 Minuten Sendezeit. Wir lachen uns kaputt, als der Tausendfüßler 24 mal die gleiche Szene laufen muß. Der Reporter hat keine Ahnung wovon er berichtet und macht sich und uns lächerlich. Voller Genuss pinkelt ihm der Elefant über die Hose ... die Rache des kleinen Tieres.
Jonas findet einen Hanomag, ein schlimmes Stück Arbeit für viele Wochen. Vorahnungen überfluten das Winterlager: Es gibt einen Käufer und wir müssen raus. Das Training läuft gut, wenn man von den vielen kleinen und großen Dramen absieht. Die Tournee soll beginnen, nachdem unsere Wagen viel zu spät und viel zu unfertig beim TÜV waren. Die Neuen brauchen eine Allgemeine Betriebserlaubnis. Niemand weiß woher die Bremsen kommen, entsprechend fehlen die Papiere und Berechnungen. Alle Reifen werden moniert - Felgen und Reifengrößen sind in Deutschland nicht aufzutreiben. Till führt 73 Telefonate mit holländischen Firmen. Eine erwartet eine Lieferung per Schiff in Rotterdam ... aus Korea! Als das Schiff in den Hafen läuft, stehen Ubuntus parat. Zufällig hat der Händler noch ein paar unverkäufliche neue, aber fünfzehn Jahre alte Achsen rumliegen. ... mit Papieren! ã Till, kauf alles was Du kriegen kannst! Egal zu welchem Preis! Till kauft und kommt völlig überladen in Bielefeld an.
Am nächsten Tag ist der letzte mögliche TÜV-Termin. Wir präsentieren neue Achsen mit neuen Papieren und Berechnungen. Der Prüfer staunt. Leider haben wir vergessen, die neuen Bremsen einzustellen und die Mechanik auszurichten. Selten sind wir so beschimpft worden - zu Recht!! Zwei Schraubenschlüssel, vier schwitzende Ubuntus und alles findet ein gutes Ende. Die Wagen fahren vom TÜV direkt zur laufenden Vorstellung und in der gleichen Nacht auf Tour.

Juli
Die Tournee beginnt und wird eine harte Prüfung für alle. Aber erfolgreich! Viele schöne Begegnungen, Gespräche und Erlebnisse, Sturmwarnung, Plattfüße, und staunende Gesichter, wenn wir mit unseren Treckern und den neuen Wagen auflaufen. Am Ende stimmt unsere Kasse endlich wieder, es bleiben ein paar Tausender für das kommende Jahr! Aber ohne die Darlehen der Firma Voelkl würden wir es nicht schaffen! Hoffentlich kommen sie auch im nächsten Jahr!?

August
Die Gerücht bestätigen sich: zum 1. November müssen wir unsere Hallen räumen! Die Hilferufe an alle Freunde und in der Presse bringen viele Tips, aber außer stundenlangen Gesprächen, Bitten und Betteln ergibt sich nichts.

September
Wieder in letzter Minute finden wir die GAB, die wollen uns helfen, aber alles ist besetzt. Wir suchen Ausweichmöglichkeiten für das DritteWeltProjekt, finden die Johanniter, die haben drei Container (voller Müll) die das THW haben soll, die aber nur einen brauchen und nicht wissen, wann sie sie transportieren sollen. Wenn nun die Johanniter dem THW und wir der GAB den Müll wegräumen, könnte es klappen, daß eine Halle in der GAB frei wird, aber nur, wenn die Maler einverstanden sind und deren neue Werkstatt eine teure Heizung bekommt, die wir aus Kiel holen können, wenn unsere Iveco am Montag fahren kann. Die hat aber keine Papiere, wie auch die Heizung in Kiel, also alles anders denken und doch nicht frei, aber wir können bei der Wege für ein paar Tage etwas abstellen, denn der Käufer unserer Hallen will unbedingt zum 30. 12. uns raushaben. Fröhliche Weihnachten hatten wir nicht!

Oktober
Wir ziehen um! In der neuen Halle müssen wir als erstes einen Zwischenboden einziehen, um die vielen alten und neuen Materialien unterzubringen. Mit Teilen eines Hochregales bleiben wir beweglich, denn wer weiß, wann wir wieder umziehen?